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Freitag, 22. Februar 2019 | 20:00 Uhr

Was ist eigentlich »pittoresk«? – Eine kurze Einführung in Herkunft, Themen und Fragestellungen

Vortrag von Dr. Jörg Christöphler im Rahmen der Rothenburger Diskurse 2018/19

Beschreibung

Umgangssprachlich weckt der Begriff des »Pittoresken« Assoziationen an Beschauliches, ästhetisch Heimeliges und Harmloses. Das war nicht immer so: In der zweiten Hälfte des 18. Jh. trat im ästhetischen Diskurs Englands neben dem »Schönen« und dem »Erhabenen« eine dritte ästhetische Kategorie zutage – die der picturesque beauty. Ab 1782 entwickelte William Gilpin im Rahmen seiner Reisebeschreibungen Kriterien einer bildhaften, an klassischen Landschaftsbildern geschulten, neuen Wahrnehmung von Natur und Architektur. Von Seiten einer neu formulierten Theorie des Landschaftsgartens befruchteten neben Gilpin insbesondere Uvedale Price, Richard Payne Knight und Humphrey Repton die ästhetische Diskussion um das Pittoreske. Bei allen unterschiedlichen Nuancierungen ist der englischen Diskussion gemeinsam, dass das Pittoreske eine nicht-klassische Ästhetik entwirft, die auf ästhetischen Werten wie Unregelmäßigkeit, Rauheit, Unebenheiten, starken Kontrastwirkungen (Hell-Dunkel), Komplexität, Temporalität (Ruinen) sowie dem Pikanten und Interessanten beruht. Mit den Kategorien des Pikanten und Interessanten berührt sich die Ästhetik des Pittoresken mit der romantischen Theorie, die dann auch Aspekte einer Ästhetik des Hässlichen einbezieht. Gespeist aus zwei Quellen, den »picturesque travels« (Gilpin) und der Ästhetik des englischen Landschaftsgartens (Price, Knight, Repton) greift das Pittoreske um 1800 nicht nur über England hinaus, sondern dringt auch in Romane (Jane Austen, Walter Scott), Historiografie (Leopold von Ranke), Musik (Mendelssohn-Bartholdy) und Architekturtheorie (John Ruskin; im 20. Jh. dann im Konzept der »townscape« fortgeführt durch Nikolaus Pevsner, Gordon Cullen und John Macarthur) ein.

Jörg Christöphler, geb. 1961, war nach geschichtswissenschaftlichem und betriebswirtschaftlichem Studium im Verlagswesen (Köln, München, Genf), in der Sächsischen Staatsweingut GmbH Radebeul und als Gründungsgeschäftsführer bei der Ammergauer Alpen GmbH Oberammergau tätig. Seit 2011 arbeitet er für die Große Kreisstadt Rothenburg ob der Tauber.

Herzlich willkommen bei freiem Eintritt!

Veranstalter: Referat für Tourismus, Kunst und Kultur

Adresse

Städtischer Musiksaal
Kirchplatz 12
91541 Rothenburg ob der Tauber
E-Mail: info@rothenburg.de
Tel.: 09861/404800

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